Die spinnt, die Friederike: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Friederike Feld suchte nach einer Alternative zur Industriewolle. Nun verkauft ihr Start-up rh:ool Yarn Wolle von Schafen, die am Rhein weiden – und die Landschaft schützen.===
=== Friederike Feld suchte nach einer Alternative zur Industriewolle. Nun verkauft ihr Start-up rh:ool Yarn Wolle von Schafen, die am Rhein weiden – und die Landschaft schützen.===
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Schafwolle gehört zu den ältesten verarbeiteten nachwachsenden Rohstoffen, schreibt die
Schafwolle gehört zu den ältesten verarbeiteten nachwachsenden Rohstoffen, schreibt die
Fachagentur Nachwachsende
Fachagentur Nachwachsende
Rohstoffe (FNR). Im Mittelalter
Rohstoffe (FNR). Im Mittelalter
war Wolle eine der wichtigsten Faserquel-
war Wolle eine der wichtigsten Faserquellen für Bekleidung. Allerdings ist laut FNR
len für Bekleidung. Allerdings ist laut FNR
die Nachfrage, Verarbeitung und Erzeu-
die Nachfrage, Verarbeitung und Erzeu-
gung von Schafschurwolle aus Deutsch-
gung von Schafschurwolle aus Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten
land in den vergangenen Jahrzehnten
stark zurückgegangen. Es mangle an
stark zurückgegangen. Es mangle an
Nachwuchs in der Schafhaltung; die Bran-
Nachwuchs in der Schafhaltung; die Branche kämpfe mit niedrigen Erlösen und
che kämpfe mit niedrigen Erlösen und
einer schwachen Nachfrage wegen
einer schwachen Nachfrage wegen
schlechter Vernetzung.
schlechter Vernetzung.
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Während weite Teile der Textilindustrie
Während weite Teile der Textilindustrie
auf importierte und chemisch behandelte
auf importierte und chemisch behandelte
Wolle aus Australien und Neuseeland set-
Wolle aus Australien und Neuseeland setzen, geht Friederike Feld mit nachhaltig
zen, geht Friederike Feld mit nachhaltig
hergestellter Wolle, die ihr Düsseldorfer
hergestellter Wolle, die ihr Düsseldorfer
Unternehmen rh:ool Yarn verkauft, einen
Unternehmen rh:ool Yarn verkauft, einen
ganz anderen Weg. Nach ihrem abge-
ganz anderen Weg. Nach ihrem abgeschlossenen Mathematikstudium arbeitete
schlossenen Mathematikstudium arbeitete
die Siebenundvierzigjährige zunächst in
die Siebenundvierzigjährige zunächst in
einem Konzern und anschließend als Agi-
einem Konzern und anschließend als Agile Coach in einem mittelständischen
le Coach in einem mittelständischen
Unternehmen. Seit ihrer Kindheit liebt sie
Unternehmen. Seit ihrer Kindheit liebt sie
das Handarbeiten. „Ich stricke eigentlich
das Handarbeiten. „Ich stricke eigentlich
jeden Tag“, sagt Feld. So beschäftigte man
jeden Tag“, sagt Feld. So beschäftigte man
sich „zwangsläufig auch mit dem Mate-
sich „zwangsläufig auch mit dem Material“. 2019 fragte sie sich, was mit der Wolle der Schafe, die auf den Düsseldorfer
rial“. 2019 fragte sie sich, was mit der Wol-
Rheinwiesen weiden, passiert, und telefonierte mit einem Schäfer.
le der Schafe, die auf den Düsseldorfer
Rheinwiesen weiden, passiert, und telefo-
nierte mit einem Schäfer.


Die Schafe gehörten Albert Görsmey-
Die Schafe gehörten Albert Görsmeyer, der dort Schäfer in der dritten Generation sei und rund 800 Schafe hüte, erzählt
er, der dort Schäfer in der dritten Genera-
tion sei und rund 800 Schafe hüte, erzählt
Feld. Seit etwa 100 Jahren befänden sich
Feld. Seit etwa 100 Jahren befänden sich
die Schafe auf den Düsseldorfer Rhein-
die Schafe auf den Düsseldorfer Rheinwiesen „und betreiben dort Landschaftspflege und Deichschutz“. Sie sind zentraler Bestandteil der Rheinwiesen-Beweidung, indem sie den Deich festtreten, das
wiesen „und betreiben dort Landschafts-
pflege und Deichschutz“. Sie sind zentra-
ler Bestandteil der Rheinwiesen-Bewei-
dung, indem sie den Deich festtreten, das
Gras kurz halten, den Boden düngen und
Gras kurz halten, den Boden düngen und
dafür sorgen, dass die Landschaft nicht
dafür sorgen, dass die Landschaft nicht
verbuscht, wie Feld erklärt. 2021 meldete
verbuscht, wie Feld erklärt. 2021 meldete
Feld ein Nebengewerbe an, im vergange-
Feld ein Nebengewerbe an, im vergangenen November dann ein Hauptgewerbe.
nen November dann ein Hauptgewerbe.


Mit dem Schäfer vereinbarte sie damals
Mit dem Schäfer vereinbarte sie damals
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deckte. Die dunkle Wolle verunreinige die
deckte. Die dunkle Wolle verunreinige die
weiße Wolle farblich, erklärt Feld. Deshalb
weiße Wolle farblich, erklärt Feld. Deshalb
wird sie in der Regel aussortiert. Feld er-
wird sie in der Regel aussortiert. Feld erfuhr, dass Schafschurwolle normalerweise
fuhr, dass Schafschurwolle normalerweise
für lediglich zehn Cent je Kilogramm an
für lediglich zehn Cent je Kilogramm an
Großhändler verkauft wird, was weniger
Großhändler verkauft wird, was weniger
als die Schurkosten sind, bevor sie in Chi-
als die Schurkosten sind, bevor sie in China weiterverarbeitet wird.
na weiterverarbeitet wird.


Für die Garnherstellung muss die Wolle
Für die Garnherstellung muss die Wolle
vorsortiert, gewaschen und versponnen
vorsortiert, gewaschen und versponnen
werden. Herausforderungen ergaben sich
werden. Herausforderungen ergaben sich
bei der Vorsortierung der rund 300 Kilo-
bei der Vorsortierung der rund 300 Kilogramm Rohwolle. Und es war schwierig,
gramm Rohwolle. Und es war schwierig,
„jemanden zu finden, der eine solche kleine Menge verarbeitete“. Viele Spinnereien
„jemanden zu finden, der eine solche klei-
ne Menge verarbeitete“. Viele Spinnereien
in Deutschland seien zudem spezialisiert
in Deutschland seien zudem spezialisiert
und könnten die gemischte Wolle von ver-
und könnten die gemischte Wolle von verschiedenen Schafrassen kaum verarbeiten.
schiedenen Schafrassen kaum verarbeiten.
Zunächst sortierte Feld die Wolle selbst
Zunächst sortierte Feld die Wolle selbst
aus. Nun tut das ein Spediteur in Bremen,
aus. Nun tut das ein Spediteur in Bremen,
der als Hauptgeschäft den Transport von
der als Hauptgeschäft den Transport von
Wolle und deren Zwischenlagerung anbie-
Wolle und deren Zwischenlagerung anbietet. Die Suche nach einer Wollwäscherei
tet. Die Suche nach einer Wollwäscherei
war schwierig. Aus Mangel an Betrieben in
war schwierig. Aus Mangel an Betrieben in
Deutschland bringt man die Wolle nach
Deutschland bringt man die Wolle nach
Belgien und vermeidet so eine Wartezeit von bis zu acht Monaten. Versponnen und
Belgien und vermeidet so eine Wartezeit von bis zu acht Monaten. Versponnen und
gefärbt wird die Wolle von der Wagen-
gefärbt wird die Wolle von der Wagenfelder Spinnereien GmbH, wo sie auch gelagert wird. „Und dann kommt sie bei mir
felder Spinnereien GmbH, wo sie auch ge-
lagert wird. „Und dann kommt sie bei mir
in den Onlineshop, oder ich stehe auf
in den Onlineshop, oder ich stehe auf
einem Wollfest“, sagt Feld. An Handfärbe-
einem Wollfest“, sagt Feld. An Handfärberinnen, die dann „auf der Wolle färben“,
rinnen, die dann „auf der Wolle färben“,
wird ebenfalls verkauft.
wird ebenfalls verkauft.


Ihre Wolle sei nichts für Menschen mit
Ihre Wolle sei nichts für Menschen mit
empfindlicher Haut. Deutsche Wolle wer-
empfindlicher Haut. Deutsche Wolle werde nicht mehr auf Wollfeinheit gezüchtet,
de nicht mehr auf Wollfeinheit gezüchtet,
da sich dies für die Schäfer nicht lohne. Im
da sich dies für die Schäfer nicht lohne. Im
kälteren deutschen Klima entstehe keine
kälteren deutschen Klima entstehe keine
feine weiche Wolle wie in Australien und
feine weiche Wolle wie in Australien und
Südafrika. Ihre Produkte sprächen Men-
Südafrika. Ihre Produkte sprächen Menschen, die an industriell verarbeitete und
schen, die an industriell verarbeitete und
besonders weiche Wolle gewöhnt seien,
besonders weiche Wolle gewöhnt seien,
nicht an. „Es ist schon spezielles Garn.“
nicht an. „Es ist schon spezielles Garn.“
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2023 belief sich Felds Umsatz nach
2023 belief sich Felds Umsatz nach
eigenen Angaben auf rund 20.000 Euro.
eigenen Angaben auf rund 20.000 Euro.
Für diese Saison erwartet sie einen höhe-
Für diese Saison erwartet sie einen höheren Umsatz. Kürzlich bekam sie einen
ren Umsatz. Kürzlich bekam sie einen
Gründungszuschuss der Bundesagentur
Gründungszuschuss der Bundesagentur
für Arbeit. Bisher lebe sie noch von
für Arbeit. Bisher lebe sie noch von
Arbeitslosengeld 1 und Ersparnissen. Die-
Arbeitslosengeld 1 und Ersparnissen. Dieses Jahr fällt Feld aus der Kleinunternehmerregelung, da ihr Umsatz über 25.000
ses Jahr fällt Feld aus der Kleinunterneh-
Euro liegt. Sie beschäftige keine Mitarbeiter, erhalte aber „wahnsinnig viel Hilfe
merregelung, da ihr Umsatz über 25.000
Euro liegt. Sie beschäftige keine Mitarbei-
ter, erhalte aber „wahnsinnig viel Hilfe
von Freundinnen und meinem Mann“.
von Freundinnen und meinem Mann“.


An Wolle schätzt Feld ihre wärmen-
An Wolle schätzt Feld ihre wärmenden Eigenschaften. Und sie müsse nicht
den Eigenschaften. Und sie müsse nicht
gewaschen werden, denn sie biete
gewaschen werden, denn sie biete
Schweißbakterien keinen Nährboden
Schweißbakterien keinen Nährboden
und entwickle keinen unangenehmen
und entwickle keinen unangenehmen
Geruch. Es reiche, Wollkleidung regel-
Geruch. Es reiche, Wollkleidung regelmäßig zu lüften.
mäßig zu lüften.


Ein großer Teil der Wolle auf dem
Ein großer Teil der Wolle auf dem
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gewaschen werden zu können, sagt Feld.
gewaschen werden zu können, sagt Feld.
Und: „Alles, was nicht superweiß ist, wird,
Und: „Alles, was nicht superweiß ist, wird,
aussortiert.“ Dabei sei Wolle ein Natur-
aussortiert.“ Dabei sei Wolle ein Naturprodukt und unterliege natürlichen
produkt und unterliege natürlichen
Schwankungen durch Einflüsse wie dem
Schwankungen durch Einflüsse wie dem
Standort der Schafherde, den Wetterbe-
Standort der Schafherde, den Wetterbedingungen, ob Tiere trächtig seien.
dingungen, ob Tiere trächtig seien.


Etwa drei Tonnen Wolle kauft Feld den
Etwa drei Tonnen Wolle kauft Feld den
Schäfern im Jahr ab. Einmal im Jahr wer-
Schäfern im Jahr ab. Einmal im Jahr werden die Schafe geschoren, „üblicherweise
den die Schafe geschoren, „üblicherweise
im Frühjahr“. Zurzeit kooperiert Feld mit
im Frühjahr“. Zurzeit kooperiert Feld mit
zwei Rheinschäfern, ein dritter soll hin-
zwei Rheinschäfern, ein dritter soll hinzukommen. Je Kilogramm sortierte Wolle zahlt sie rund einen Euro. Ein Großteil
zukommen. Je Kilogramm sortierte Wol-
le zahlt sie rund einen Euro. Ein Großteil
der Wolle stammt von Rhönschafen und
der Wolle stammt von Rhönschafen und
Coburger Fuchsschafen. Hinzu kommen
Coburger Fuchsschafen. Hinzu kommen
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Inzwischen erhält Feld auch die Wolle
Inzwischen erhält Feld auch die Wolle
der Kölner Rheinschafe. Sie gehören In-
der Kölner Rheinschafe. Sie gehören Ingolf Bollenbach und pflegen den äußeren
golf Bollenbach und pflegen den äußeren
Grüngürtel am Decksteiner Weiher. Seit
Grüngürtel am Decksteiner Weiher. Seit
1999 stehen Schafe schon auf dem Gebiet,
1999 stehen Schafe schon auf dem Gebiet,
für das der frühere Bundeskanzler Kon-
für das der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer ein Bauverbot erließ. Nach
rad Adenauer ein Bauverbot erließ. Nach
Angaben der Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ ist Bollenbach der letzte Schäfer Kölns und der äußere Grüngürtel von
Angaben der Bürgerinitiative „Grüngür-
tel für alle“ ist Bollenbach der letzte Schä-
fer Kölns und der äußere Grüngürtel von
Ausbauplänen des 1. FC Köln bedroht.
Ausbauplänen des 1. FC Köln bedroht.


Mirja Kreuziger, die an der Hochschule
Mirja Kreuziger, die an der Hochschule
Niederrhein in Mönchengladbach Digita-
Niederrhein in Mönchengladbach Digitales Textildesign lehrt, berichtet von einem
les Textildesign lehrt, berichtet von einem
Anstieg handarbeitsbegeisterter Studierender im Bereich des Mode- und Textildesigns – und einem hohen Interesse am
Anstieg handarbeitsbegeisterter Studie-
render im Bereich des Mode- und Textil-
designs – und einem hohen Interesse am
Thema Nachhaltigkeit. Die Studierenden
Thema Nachhaltigkeit. Die Studierenden
forderten das Thema in der Lehre ein.
forderten das Thema in der Lehre ein.
Kreuziger ist begeistert von rh:ool Yarn.
Kreuziger ist begeistert von rh:ool Yarn.
Man müsse sich keine Sorgen ums Tier-
Man müsse sich keine Sorgen ums Tierwohl machen, das Garn sei widerstandsfähig, griffig und etwas robuster. Ihr gefällt
wohl machen, das Garn sei widerstandsfä-
hig, griffig und etwas robuster. Ihr gefällt
der „Charakter“ der Wolle. Stricken an
der „Charakter“ der Wolle. Stricken an
sich sei schon eine aktive Entscheidung
sich sei schon eine aktive Entscheidung
gegen Fast Fashion
gegen Fast Fashion
==== Peppa Linda Garcia Gutierrez ====

Aktuelle Version vom 24. Juni 2026, 14:13 Uhr

Friederike Feld suchte nach einer Alternative zur Industriewolle. Nun verkauft ihr Start-up rh:ool Yarn Wolle von Schafen, die am Rhein weiden – und die Landschaft schützen.


Schafes Schwester: Gründerin Friederike Feld auf einer Grünfläche bei Köln-Weiden

Schafwolle gehört zu den ältesten verarbeiteten nachwachsenden Rohstoffen, schreibt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Im Mittelalter war Wolle eine der wichtigsten Faserquellen für Bekleidung. Allerdings ist laut FNR die Nachfrage, Verarbeitung und Erzeu- gung von Schafschurwolle aus Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Es mangle an Nachwuchs in der Schafhaltung; die Branche kämpfe mit niedrigen Erlösen und einer schwachen Nachfrage wegen schlechter Vernetzung.

Während weite Teile der Textilindustrie auf importierte und chemisch behandelte Wolle aus Australien und Neuseeland setzen, geht Friederike Feld mit nachhaltig hergestellter Wolle, die ihr Düsseldorfer Unternehmen rh:ool Yarn verkauft, einen ganz anderen Weg. Nach ihrem abgeschlossenen Mathematikstudium arbeitete die Siebenundvierzigjährige zunächst in einem Konzern und anschließend als Agile Coach in einem mittelständischen Unternehmen. Seit ihrer Kindheit liebt sie das Handarbeiten. „Ich stricke eigentlich jeden Tag“, sagt Feld. So beschäftigte man sich „zwangsläufig auch mit dem Material“. 2019 fragte sie sich, was mit der Wolle der Schafe, die auf den Düsseldorfer Rheinwiesen weiden, passiert, und telefonierte mit einem Schäfer.

Die Schafe gehörten Albert Görsmeyer, der dort Schäfer in der dritten Generation sei und rund 800 Schafe hüte, erzählt Feld. Seit etwa 100 Jahren befänden sich die Schafe auf den Düsseldorfer Rheinwiesen „und betreiben dort Landschaftspflege und Deichschutz“. Sie sind zentraler Bestandteil der Rheinwiesen-Beweidung, indem sie den Deich festtreten, das Gras kurz halten, den Boden düngen und dafür sorgen, dass die Landschaft nicht verbuscht, wie Feld erklärt. 2021 meldete Feld ein Nebengewerbe an, im vergangenen November dann ein Hauptgewerbe.

Mit dem Schäfer vereinbarte sie damals die Abnahme von rund 300 Kilogramm der unbeliebten schwarzen Wolle zu einem „fairen Preis“, der die Schurkosten deckte. Die dunkle Wolle verunreinige die weiße Wolle farblich, erklärt Feld. Deshalb wird sie in der Regel aussortiert. Feld erfuhr, dass Schafschurwolle normalerweise für lediglich zehn Cent je Kilogramm an Großhändler verkauft wird, was weniger als die Schurkosten sind, bevor sie in China weiterverarbeitet wird.

Für die Garnherstellung muss die Wolle vorsortiert, gewaschen und versponnen werden. Herausforderungen ergaben sich bei der Vorsortierung der rund 300 Kilogramm Rohwolle. Und es war schwierig, „jemanden zu finden, der eine solche kleine Menge verarbeitete“. Viele Spinnereien in Deutschland seien zudem spezialisiert und könnten die gemischte Wolle von verschiedenen Schafrassen kaum verarbeiten. Zunächst sortierte Feld die Wolle selbst aus. Nun tut das ein Spediteur in Bremen, der als Hauptgeschäft den Transport von Wolle und deren Zwischenlagerung anbietet. Die Suche nach einer Wollwäscherei war schwierig. Aus Mangel an Betrieben in Deutschland bringt man die Wolle nach Belgien und vermeidet so eine Wartezeit von bis zu acht Monaten. Versponnen und gefärbt wird die Wolle von der Wagenfelder Spinnereien GmbH, wo sie auch gelagert wird. „Und dann kommt sie bei mir in den Onlineshop, oder ich stehe auf einem Wollfest“, sagt Feld. An Handfärberinnen, die dann „auf der Wolle färben“, wird ebenfalls verkauft.

Ihre Wolle sei nichts für Menschen mit empfindlicher Haut. Deutsche Wolle werde nicht mehr auf Wollfeinheit gezüchtet, da sich dies für die Schäfer nicht lohne. Im kälteren deutschen Klima entstehe keine feine weiche Wolle wie in Australien und Südafrika. Ihre Produkte sprächen Menschen, die an industriell verarbeitete und besonders weiche Wolle gewöhnt seien, nicht an. „Es ist schon spezielles Garn.“

2023 belief sich Felds Umsatz nach eigenen Angaben auf rund 20.000 Euro. Für diese Saison erwartet sie einen höheren Umsatz. Kürzlich bekam sie einen Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit. Bisher lebe sie noch von Arbeitslosengeld 1 und Ersparnissen. Dieses Jahr fällt Feld aus der Kleinunternehmerregelung, da ihr Umsatz über 25.000 Euro liegt. Sie beschäftige keine Mitarbeiter, erhalte aber „wahnsinnig viel Hilfe von Freundinnen und meinem Mann“.

An Wolle schätzt Feld ihre wärmenden Eigenschaften. Und sie müsse nicht gewaschen werden, denn sie biete Schweißbakterien keinen Nährboden und entwickle keinen unangenehmen Geruch. Es reiche, Wollkleidung regelmäßig zu lüften.

Ein großer Teil der Wolle auf dem Markt werde stark behandelt, etwa um weicher zu werden und in der Maschine gewaschen werden zu können, sagt Feld. Und: „Alles, was nicht superweiß ist, wird, aussortiert.“ Dabei sei Wolle ein Naturprodukt und unterliege natürlichen Schwankungen durch Einflüsse wie dem Standort der Schafherde, den Wetterbedingungen, ob Tiere trächtig seien.

Etwa drei Tonnen Wolle kauft Feld den Schäfern im Jahr ab. Einmal im Jahr werden die Schafe geschoren, „üblicherweise im Frühjahr“. Zurzeit kooperiert Feld mit zwei Rheinschäfern, ein dritter soll hinzukommen. Je Kilogramm sortierte Wolle zahlt sie rund einen Euro. Ein Großteil der Wolle stammt von Rhönschafen und Coburger Fuchsschafen. Hinzu kommen andere Rassen, es entstehe jedes Mal ein „unique blend“. Verkauft wird die Wolle in Jahrgängen, ähnlich wie Wein. Die Preise je Knäuel liegen etwa zwischen zehn und 26 Euro. Das Gewicht der Knäuel variiert von 100 bis 250 Gramm.

Inzwischen erhält Feld auch die Wolle der Kölner Rheinschafe. Sie gehören Ingolf Bollenbach und pflegen den äußeren Grüngürtel am Decksteiner Weiher. Seit 1999 stehen Schafe schon auf dem Gebiet, für das der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer ein Bauverbot erließ. Nach Angaben der Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ ist Bollenbach der letzte Schäfer Kölns und der äußere Grüngürtel von Ausbauplänen des 1. FC Köln bedroht.

Mirja Kreuziger, die an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach Digitales Textildesign lehrt, berichtet von einem Anstieg handarbeitsbegeisterter Studierender im Bereich des Mode- und Textildesigns – und einem hohen Interesse am Thema Nachhaltigkeit. Die Studierenden forderten das Thema in der Lehre ein. Kreuziger ist begeistert von rh:ool Yarn. Man müsse sich keine Sorgen ums Tierwohl machen, das Garn sei widerstandsfähig, griffig und etwas robuster. Ihr gefällt der „Charakter“ der Wolle. Stricken an sich sei schon eine aktive Entscheidung gegen Fast Fashion

Peppa Linda Garcia Gutierrez