Waschen, schneiden, legen
Projekt Wirtschaft
Ob Mensa, Kantine oder Flugzeug
– Essen, das in einer
Großküche zubereitet wurde,
ist mit hoher Wahrscheinlichkeit
durch Maschinen der Kronen GmbH
gelaufen. Das mittelständische Unternehmen
aus Kehl-Goldscheuer ist auf komplexe
Verarbeitungslinien für Obst, Gemüse
und veganen Fleischersatz spezialisiert.
Man sei Weltmarktführer in einer Nischenbranche,
der Fresh-Cut-Branche,
wie Geschäftsführer Stephan Zillgith sagt.
In den Maschinen werden große Mengen
an Lebensmitteln effizient und hygienisch
geschnitten, gewaschen und verpackt.
Georg Kronen hat das Unternehmen
1978 als Handelsunternehmen für Kleingeräte
für das Hotel- und Gastronomiegewerbe
gegründet. Der Vater von Stephan
Zillgith, Rudolf Hans Zillgith, begann
zwanzig Jahre später, das heutige Unternehmen
zu formen. Ein wichtiger Schritt
in den Achtzigerjahren war die Eigenproduktion.
Die Schneidemaschinen aus
Asien seien oft aus Aluminium gewesen,
erzählt Zillgith. In Europa mussten sie
aber aus Edelstahl sein. Die Maschinen
finde man heute „überall dort, wo 2000 bis
3000 Personen eine Mahlzeit serviert
wird“. Kronen bietet sowohl komplette Linien
als auch einzelne Maschinen an. Besonders
in Ländern wie England und den
Niederlanden sei die Nachfrage hoch; dort
finde man in Kühlschränken oft mundgerecht
geschnittenes Obst und Gemüse.
Die Verarbeitung von Salatköpfen erfolgt,
wie Zillgith berichtet, in fünf Schritten.
„Er wird zuerst hygienisiert, dann in
der Schneidemaschine geschnitten, abermals
in den Waschmaschinen gewaschen,
danach in einer Schleudermaschine trocken
geschleudert, bevor er in Beuteln verpackt
wird.“ Nicht jedes Lebensmittel
muss geschleudert werden; manche Lebensmittel
werden in den Maschinen noch
entkernt. Die Komplexität der Verarbeitung
hängt stark von der Form der Produkte
ab. „Am besten lassen sich Produkte
verarbeiten, die rund oder eine einigermaßen
geometrische Form haben“, sagt Zillgith.
„Mit Ingwer zum Beispiel geht das
maschinell so gut wie gar nicht.“
Große Linien verarbeiteten zwei bis vier
Tonnen Salat in der Stunde. „Diese Anlagen
sind vernetzt und kommunizieren miteinander.“
Fällt zum Beispiel eine Pumpe
aus, gibt diese den Vorgängermaschinen
Rückmeldung, damit sie sich automatisch
ausschalten.
Wesentliche Treiber für die Automatisierung
sind die Hygiene und die Arbeitsbedingungen
in der Branche. Die manuelle
Arbeit in Fabriken sei oft kalt und
nass, Mitarbeiter erhielten nur Mindestlohn
und blieben nicht lange. „Der
Mensch ist auch ein potentieller Virenherd;
da sind Maschinen hygienischer“,
sagt Zillgith. Niemand freut sich über
Nachrichten wie „Keime im Beutelsalat“.
Die Automatisierung gewinnt auch an
Fahrt, weil Fachkräfte teurer werden. In
chinesischen Fabriken, in denen viele
Kronen-Maschinen stehen, arbeiteten
vor einigen Jahren noch 200 Menschen.
Doch der Trend gehe auch dort zur Automatisierung.
Mit Blick auf die kompletten Verarbeitungslinien
sehe man sich als Weltmarktführer,
sagt Zillgith. „Wir schätzen unseren
Marktanteil auf rund 25 Prozent.
Unsere etwa sieben ernst zu nehmenden
Mitbewerber teilen sich die restlichen
Prozent auf.“ Der Exportanteil liege bei
75 bis 80 Prozent. Man sei auch in den
USA und Asien vertreten. Zu den Kunden
gehören Bonduelle, Taylor Farms
(USA), Cateringbetriebe von Fluggesellschaften,
etwa von Singapore Airlines,
und Kreuzfahrtgesellschaften wie Norwegian
Cruise Line.
Die Umsetzung von Hygienestandards
und das Anlagendesign sind für das
Unternehmen zentral. Neueste Forschungsergebnisse
flössen in die Konstruktion
ein. Es gibt keine waagerechten
Flächen, damit Wasser und Rückstände
sofort ablaufen können. Alle Elemente,
an denen sich ein Biofilm bilden könnte,
sind entweder leicht entnehmbar oder direkt
zugänglich und damit rückstandslos.
Man liefert spezielle Gestelle mit. An ihnen
können die abgebauten Teile während
der Reinigung sicher aufgehängt
werden, was sie vor Beschädigungen
schützt und eine hygienische Trocknung
ermöglicht. Zwar müsse jede Reinigung
mit Frischwasser erfolgen, der Wasserverbrauch
werde jedoch durch spezielle Düsen
in den Maschinen reduziert.
Man erledigt auch Sonderaufträge wie
das Schneiden und Zerrupfen von veganen
Ersatzprodukten. Ein ungewöhnlicher
Auftrag war der Export von Anlagen
für Meeresalgen nach Russland und China.
Die Algen mussten von Sand befreit
und geschnitten werden und sahen laut
Zillgith aus wie schwarze Tagliatelle.
„Robotiklösungen sind ein großes Thema,
das sich aktuell in Bearbeitung befindet“,
sagt Zillgith. Für den auf Messen vorgestellten
Avocado-Roboter, der das Einlegen,
Halbieren, Schälen und Entkernen
automatisiert, ist man gerade auf Kundensuche.
Zillgith nennt auch die großen Zen -
trifugen. „Die haben wir in den vergangenen
drei, vier Jahren stark weiterentwickelt,
denn bisher ist es immer noch so gewesen,
dass nach der Waschmaschine der gewaschene
Salat im Korb landet, und dann sind
da meistens noch zwei bis drei Personen, die
diesen Korb in die Zentrifuge setzen und
schleudern, wie eine große Salatschleuder.“
In Anlagen der
Kronen GmbH
wird Kantinenessen
herausgeputzt –
und einiges mehr.
Waschen,
schneiden,
legen
Anschließend müssten der Korb herausgeholt
und der Inhalt auf das Band der Verpackungsmaschine
geschüttet werden. „Doch
dafür gibt es automatisierte Zentrifugen.
Dann braucht man keine Personen mehr.“
Jährlich investiert Kronen rund eine
Million Euro in Forschung und Entwicklung
und arbeitet mit Forschungsinstituten
zusammen, darunter das Leibniz-Institut
für Plasmaforschung und Technologie.
Man besitzt Patente und Schutzrechte
für Schlüsselfunktionen der Maschinen.
Ein Beispiel ist eine Waschmaschine, die
Komponenten sortieren kann, um Paprikawürfel
vom Strunk zu trennen.
Kleinere Schneidemaschinen kosten
rund 25.000 Euro, größere bis zu 55.000
Euro. Die Preise der Waschmaschinen liegen
zwischen 50.000 und 150.000 Euro.
Kleinere Verarbeitungslinien beginnen
preislich bei etwa 100.000 Euro, große Linien
kosten zwischen 150.000 und 500.000
Euro. Im Jahr 2024 erzielte Kronen einen
Umsatz von 21 Millionen Euro. 2025 lag er
laut Zillgith bei 22 Millionen Euro. Für
2026 erwartet er einen Anstieg auf 25 Millionen
Euro. Durch die Kooperation mit
einem amerikanischen Unternehmen wolle
man den dortigen Markt wesentlich besser
bedienen.
Das Unternehmen wird von vier geschäftsführenden
Gesellschaftern geleitet
und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter.
Jährlich verlassen 800 bis 1000 Maschinen
das Werk, das Spektrum reicht von
präzisen Handgeräten bis hin zu riesigen
Waschmaschinen und Salatzentrifugen.
Die Nachfrage nach Standardmaschinen
liege bei 60 bis 70 Prozent. „Die verbleibenden
30 bis 40 Prozent entfallen auf
‚Smartlösungen‘ und komplette Verarbeitungslinien.“