Die Fassade wird gewahrt
Hospize für Kinder und Jugendliche begleiten ihre Gäste oft über viele Jahre und bringen den Familien eine große Entlastung. Ihre Finanzen sind jedoch klamm.
D ie Elbphilharmonie in Ham- burg, der La Guardia Flughafen in New York und Google KGX1, das Hauptquartier des Internet- konzerns in Großbritannien, haben et- was gemeinsam: Ihre Fassaden stam- men von der Josef Gartner GmbH aus dem beschaulichen Gundelfingen an der Donau. Die Fokussierung auf dieses Geschäft begann nach einer Amerika- reise von Josef Gartner III. im Jahr 1953. Dort sah er die ersten Bauwerke mit großen Fassaden und nahm nach seiner Rückkehr den Auftrag für den Bau der Kaufhof-Hauptverwaltung in Köln an. „Bei uns gibt es nichts von der Stange“, sagt Nadine Vogt, die Leiterin der Kommunikationsabteilung. Man biete einschalige und zweischa- lige Fassaden an. Ein Beispiel für eine zweischalige Fassade ist die Closed Ca- vity Fassade: Zwischen einer äußeren und einer inneren Verglasung befindet sich ein luftdicht abgeschlossener Hohl- raum, der mit gereinigter und getrock- neter Druckluft versorgt wird; das ver- hindert das Beschlagen bei Temperatur- wechseln. Der Zwischenraum sorgt für eine optimale Dämmung des Gebäudes. Weil sich der Sonnenschutz ebenfalls in diesem Zwischenraum befindet, kann er unabhängig von Wind und Wetter aus- gefahren werden. Diese Fassade wurde zum Beispiel im Bürocampus Mizal in Düsseldorf und im Londoner Büroge- bäude 22 Bishopsgate verbaut. Man produziere auch filigrane Stahl- fassaden und -dächer, berichtet Vogt. Ein Beispiel dafür ist die Kugel des Academy Museum of Motion Pictures in Los Angeles. „Aktuell arbeiten wir an einem Projekt für die Sagrada Fami- lia in Barcelona, das zu den Sonder- lösungen gehört.“ Auf den höchsten Turm der von Gaudi entworfenen Kir- che wird ein 17 Meter hohes begehba- res Kreuz aus Beton- und Glaselemen- ten gesetzt. Er wird zehn Meter höher sein als der Kirchturm des Ulmer Müns- ters, der bisher der höchste der Welt ist. Das Unternehmen mit mehr als 700 Mitarbeitern hat auch ein Büro in Würzburg und ein Tochterunternehmen in der Schweiz. Außerdem ist es Teil der italienischen Permasteelisa Group, zu der verschiedene Unternehmen im Be- reich Architektur und Metallbearbeitung auf vier Kontinenten gehören. Konkurrenten seien vor allem die Roschmann Group und die Seele Grup- pe. Beide sind in Gersthofen bei Augs- burg ansässig. Die Roschmann Group beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und ist durch Projekte wie die Eingangs - halle der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und die WWK-Arena in Augsburg bekannt. Die Seele Gruppe hat rund 1000 Mitarbeiter; konstruiert hat sie die Fassade des Messeturms in Frankfurt. Derzeit durchlaufe man eine schwie- rige Phase. „Es hat mit dem Ukraine- krieg angefangen, als uns aufgrund der Sanktionen gegen Russland ein Groß- auftrag in dreistelliger Millionenhöhe weggefallen ist“, berichtet Vogt und fährt fort: „Beim nächsten Großauf- trag, einem Gebäude von Amazon in Amerika, gab es aus unbekannten Gründen einen Baustopp, und zuletzt wurde der Elbtower, auch eines unserer Großprojekte, gestoppt.“ Im vergange- nen Jahr seien die meisten Abteilungen in Kurzarbeit gewesen. Man müsse sich neu ausrichten. „Ohne Personalabbau wird es nicht gehen.“ Für dieses Ge- schäftsjahr, das am 31. März endet, rechnet man mit einem Umsatz von 250 Millionen Euro. 2023 und 2022 ha- be er noch bei knapp 300 Millionen Euro gelegen. Die Kosten einer Fassade beginnen laut Vogt bei 1000 Euro je Quadratme- ter. Man habe schon Fassaden herge- stellt, deren Quadratmeterpreis deut- lich über 5000 Euro gelegen habe. Es dauere vier bis fünf Jahre bis zur Fertig- stellung. Die Installation am Gebäude übernimmt man ebenfalls. Die bisher größte Fassade ist mit 120.000 Qua - dratmetern die des Wolkenkratzers Taipei 101, der mit 508 Metern zu den höchsten Gebäuden der Welt zählt.